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Treffen in Wien September 2014

Vom 22.09. bis 27.9.2014 fand in Wien ein Treffen der Comenius Freunde am traditionsreichen Kollegium Kalksburg statt. An dem Treffen nahmen etwas mehr als 100 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern teil.

Ziel des Workshops war die Evaluation zweier innovativer diagnostischer Verfahren und deren didaktische Aufbereitung für den Unterricht. Zum Einen handelte es sich dabei um einen Gentest zum Nachweis der autosomal rezessiv vererbten, neurodegenerativen Erkrankung Neuronale Lipofuscinose (NCL). In Deutschland sind etwa 350 Kinder an NCL erkrankt. Ein Gendefekt auf Chromosom 16 führt zur Ablagerung von Lipiden im Gehirn, mit der Folge, dass die Gehirnzellen absterben. Erste Symptome, wie Sehstörungen treten im Kindesalter auf, gefolgt von epileptischen Anfällen, bis schließlich mit etwa 25 Jahren die Krankheit tödlich endet. Die Krankheit ist zwar noch nicht therapierbar, ein frühzeitiger Nachweis mittels Gentest ist jedoch für die Betroffenen von großem Vorteil.

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Zum Anderen evaluierten wir ein diagnostisches Verfahren zum Nachweis einer Kartoffel-Infektion durch ein Bakterium der Gruppe Pectobacterium, auch Erwinia genannt. Die Infektion löst die Kartoffelfäule aus und wird über das Waschwasser verbreitet. Jährlich gehen bedingt durch die Infektion viele Hundert Millionen Euro verloren.

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Beide diagnostische Tests beruhen auf einer Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Gel-Elektrophorese und Auswertung des Gels.
Die Mentoren aus den Ländern Evreux, Vilnius, Miskolc und Hamburg waren bereits am 19.9. nach Wien angereist. Während des Wochenendes wohnten sie in Gastfamilien und wurden auf ihre verantwortungsvolle Tätigkeit während der anstehenden Laborarbeiten vorbereitet. Am 22.9. reisten dann die Workshopteilnehmer nach Wien an.

Der erste Projekttag begann mit einer feierlichen Eröffnungszeremonie. Ein Schüler des Kollegium Kalksburg führte durch das Programm, an dem auch Vertreter der Stadt Wien, sowie der österreichischen Comenius Agentur teilnahmen. Die musikalische Umrahmung der Feier gestalteten zwei Schüler der gastgebenden Schule.

Die Projektarbeit begann mit den einführenden Vorträgen der internationalen Mentorenteams zum Gentest auf das Pectobacterium. Danach begann das gemeinsame Experimentieren der Lehrer und Schüler in international gemischten Gruppen, ebenfalls unter Anleitung der Mentoren. Jede der 32 Arbeitsgruppen isolierte als Positivkontrolle DNA aus dem Bakterium und aus einem zu testenden Waschwasser. Mittels PCR wurde die isolierte DNA vervielfältigt. Für die sich anschließende Gel-Elektrophorese wurde erstmals, das von den französischen Freunden, bereits erprobte LONZA-Elektrophorese-System verwendet. Alle Teilnehmer waren beeindruckt von den Vorteilen dieses innovativen Systems. In einer abschließenden Diskussionsrunde unter Anleitung weiterer Schüler wurden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen im Plenum vorgestellt und diskutiert.

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Am darauf folgenden Tag begann die Arbeit rund um das Experiment NCL. Uns stand genetisches Material einer sechsköpfigen betroffenen Familie zur Verfügung, das wir auf die Krankheit untersuchen konnten.

Die experimentelle Vorgehensweise ähnelte der vom Vortag und bestand aus einer PCR zur Vervielfältigung der DNA und der sich anschließenden Gel-Elektrophorese zur Auftrennung der Amplifikate.

Am Abend fand für die Schüler ein „Sports evening“ statt, an diesem wir in verschiedenen Hallen unterschiedliche sportlich angehauchte Spiele tätigten.

Der Donnerstag begann mit einem sehr interessanten Vortrag von Prof. Weitzer von der medizinischen Fakultät der Uni Wien zum Thema Stammzellforschung. Die anschließende, äußerst lebhafte ethische Diskussion zu diesem Thema wurde geleitet von den Migliedern des nationalen österreichischen Ethikrates Dr. Beck und Dr. Meran. In dieser wurde zunächst die Frage gestellt, was Ethik überhaupt sei. Es entwickelte sich eine tolle Diskussion mit vielen Meinungen und Sichten auf das Thema.

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Am Nachmittag stand dann Sightseeing auf dem Programm. Die Mentoren aus Wien zeigten uns in kleinen, international gemischten Gruppen ihre schöne Stadt. Das anschließende Grillen am Abend in der Schule, diente als Auftakt einer lustigen Abschlussveranstaltung. In dieser stellte jede Partnerschule ihr Land auf eine sehr amüsante Art und Weise vor und spielte meist mit den üblichen Klischees.

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Freitags wurden wir in vier Gruppen aufgeteilt um jeweils die Start-up-Firma Arsanis, das Institut für Hämatologie, Böhringer Ingelheim oder das Institut für Krebsforschung der Uni Wien zu besuchen.

Als kultureller Höhepunkt und Abschluss des Treffens fand am Abend ein Besuch der Spanischen Hofreitschule statt. Gegeben wurde „A Tribute to Vienna“, begleitet von den „Wiener Sängerknaben“.

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Am Samstag machten sich dann alle Teilnehmer, erfrischt durch ein super Projekttreffen, auf den Heimweg. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an die tollen Gastgeber!